FAU Studie stärkt unsere Forderung nach mehr flexibler Bioenergie
Unsere Kampagne setzt sich dafür ein, das Potenzial bestehender Biogasanlagen für eine sichere und bezahlbare Stromversorgung konsequent zu nutzen. Eine Kurzstudie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) liefert dafür gewichtige wissenschaftliche Argumente. Ihre zentrale Botschaft: Flexible Bioenergie kann innerhalb weniger Jahre zusätzliche Leistung bereitstellen, Versorgungslücken verkleinern und hohe Strompreise in Knappheitszeiten dämpfen. Das bestärkt uns darin, diesen Weg gemeinsam mit unseren Unterstützerinnen und Unterstützern weiterzuverfolgen.
Eine vorhandene Stärke für die Energiewende nutzen
Im Vorwort knüpfen Nora Elhaus, Maximilian Weitzer und Jürgen Karl an frühere Untersuchungen ihres Lehrstuhls an. Bereits diese zeigten die Bedeutung flexibler Biogasanlagen für Versorgungssicherheit und Strompreise. Das Biomassepaket 2025 würdigen sie als ersten Schritt zur Förderung zusätzlicher flexibler Leistung. Die neue Untersuchung macht deutlich, wie wichtig es ist, diesen Ansatz weiterzuentwickeln.
Mit mehr Wind- und Solarstrom braucht Deutschland Anlagen, die dann einspringen, wenn wenig Wind weht und die Sonne kaum scheint. Biogas lässt sich speichern und gezielt zur Stromerzeugung einsetzen. Die Anlagen nutzen heimische erneuerbare Energieträger und können damit auch die Abhängigkeit von Energieimporten verringern. Für unsere Kampagne bestätigt das: Biogas gehört zu den tragenden Bausteinen einer verlässlichen Energieversorgung.
Zusätzliche Leistung kann schneller verfügbar werden
Die Kurzfassung betont einen entscheidenden Vorteil: Viele Biogasanlagen sind bereits vorhanden. Ihre Flexibilisierung kann deshalb wesentlich schneller zusätzliche Reservekapazitäten schaffen als der Neubau von Gaskraftwerken. Größere Ausschreibungsvolumina im EEG und eine stärkere Einbindung in den Kapazitätsmarkt könnten nach Einschätzung des Forschungsteams erhebliche zusätzliche Leistung innerhalb weniger Jahre erschließen. Ein Kapazitätsmarkt vergütet, dass Anlagen verlässlich Leistung bereithalten.
Damit erhält unsere Forderung nach einer verlässlichen Zukunft für den Anlagenbestand weiteren Rückhalt. Wer bestehende Standorte erhält und ihre Modernisierung ermöglicht, nutzt vorhandene Infrastruktur und Erfahrung. Die Studie sieht bei den untersuchten Ausbauplänen eine erhebliche Lücke zur künftig benötigten steuerbaren Leistung. Flexible Bioenergie kann helfen, diese Lücke rechtzeitig zu verkleinern.
Mehr Flexibilität kann Knappheit und Preisspitzen mindern
Besonders anschaulich sind die Modellrechnungen zur sogenannten achtfachen Überbauung. Gemeint ist eine deutlich höhere installierte elektrische Leistung im Verhältnis zur durchschnittlichen Erzeugung. Das gespeicherte Biogas wird konzentriert in den Stunden verstromt, in denen Strom besonders gebraucht wird. Es geht also darum, die verfügbare Energie zeitlich besser einzusetzen.
Für das Jahr 2037 sinkt in der untersuchten Modellkonstellation die erwartete Dauer von Situationen mit unzureichendem Stromangebot von 186 auf 13 Stunden – um rund 93 Prozent. Zugleich errechnet die Studie einen um 4,3 Cent je Kilowattstunde niedrigeren durchschnittlichen Großhandelsstrompreis. Das sind Ergebnisse unter den Annahmen des Modells, keine garantierten Einsparungen auf der privaten Stromrechnung. Sie zeigen jedoch, wie stark zusätzliche flexible Leistung die Versorgung verbessern und den Strommarkt entlasten kann.
Wissenschaftlicher Rückenwind für unsere nächsten Schritte
Die Autoren sprechen sich dafür aus, leicht aktivierbare Reserven umfassend einzubeziehen. Auch kleinere Anlagen und gemeinsam organisierte Anlagenpools sollen ihre Möglichkeiten einbringen können. Zugleich kritisieren sie am untersuchten StromVKG die unzureichende Berücksichtigung der Vorteile erneuerbarer Reserveleistung und eine zu hohe Höchstgebotsgrenze für Gaskraftwerke.
Für uns folgt daraus ein klarer Auftrag an die weitere Arbeit am EEG 2027: den Bestand sichern, mehr Flexibilisierung ermöglichen und erneuerbare gesicherte Leistung angemessen berücksichtigen. Die Studie stärkt die fachliche Grundlage unserer bisherigen Kampagnenarbeit und unserer Gespräche mit der Politik. Unseren Unterstützerinnen und Unterstützern gibt sie ein ermutigendes Signal: Ihr Engagement trägt ein Anliegen, dessen Nutzen wissenschaftlich deutlich wird. Gemeinsam setzen wir uns dafür ein, dass daraus verlässliche Investitionsbedingungen und konkrete Projekte entstehen.
Quelle: Elhaus, Weitzer und Karl, FAU, „Beitrag der Flexibilitätspotenziale des Bioenergiesektors zur Versorgungssicherheit und Resilienz des deutschen Stromsystems“, vorliegende Fassung September 2026, Vorwort S. 5 und Kurzfassung S. 7–8.
Vereinfacht gesagt: Das EEG fördert weiterhin den grünen Strom aus Biogas. Die Kosten für den zusätzlichen Kapazitätsaufbau werden dagegen über das Stromsystem selbst finanziert. Damit würde die Finanzierung stärker dort ansetzen, wo auch der Nutzen der zusätzlichen gesicherten Stromleistung entsteht.
CSU-Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer zeigte sich an einer zukunftsfesten Perspektive für die Biogasbranche interessiert. Er will das Konzept nun beim federführenden Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) zur schnellen und konstruktiven Prüfung ansprechen.
„Wir müssen den Knoten für die Tausenden von bedrohten Biogasanlagen schnell durchschlagen. Die Strom-VKG-Umlage kann dabei ein wichtiger Baustein sein, um Versorgungssicherheit und Klimaschutz zusammenzubringen – ohne den Bundeshaushalt zusätzlich zu belasten“, betonte Axel Knoerig und dankte dem Minister für die Einladung.
Weiterführende Informationen, darunter das Gutachten zum vorgeschlagenen Finanzierungsmodell, finden sich im Downloadbereich der Kampagne „Biogas ist Zukunft“: biogas-ist-zukunft.de/downloads-pressematerial